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Clean Label: Was wirklich in der Dose steckt

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Bis eine Kapsel in deiner Hand liegt, hat sie einen langen Weg hinter sich: Sie wurde auf einem Feld angebaut oder im Meer geerntet, getrocknet, gemahlen, oft extrahiert, über Kontinente transportiert, abgefüllt und verpackt. An jeder dieser Stationen kann etwas hineingeraten, das dort nicht hingehört.

In diesem Beitrag nehmen wir dich mit auf diesen Weg. Wir erklären, wo die Risiken liegen, warum sie entstehen und was wir an jeder Station dagegen tun.

Ein Prinzip aus der Raumfahrt

Die Methode, mit der Lebensmittelhersteller heute Risiken beherrschen, hat eine überraschende Herkunft. In den 1960er-Jahren suchte die NASA nach einem Weg, Astronautennahrung absolut sicher zu machen. Stichproben am Ende der Produktion reichten nicht, denn eine einzige verdorbene Mahlzeit im All hätte fatale Folgen gehabt. Gemeinsam mit dem Lebensmittelhersteller Pillsbury entwickelte man deshalb ein neues Denken: Statt nur das fertige Produkt zu prüfen, betrachtet man jeden Schritt der Herstellung und fragt, wo ein Risiko entsteht und wo man es noch beherrschen kann.

Daraus wurde HACCP, kurz für „Hazard Analysis and Critical Control Points“, also Gefahrenanalyse und kritische Kontrollpunkte. Heute ist das Konzept in der EU für jeden Lebensmittelbetrieb Pflicht. Wir haben es auf unseren eigenen Weg übertragen, vom Acker bis ins Glas.

Drei Ebenen der Kontrolle

Bei uns gibt es drei Ebenen, auf denen wir Reinheit absichern:

  • Was wir selbst testen. Jede Produktionscharge geht vor dem Verkauf in ein unabhängiges Labor, das von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert ist. Geprüft werden Mikrobiologie und der Gehalt des Wirkstoffs, der auf dem Etikett steht. Produkte mit Algen prüfen wir zusätzlich auf Schwermetalle. Bis das Ergebnis vorliegt, bleibt die Charge gesperrt.
  • Was unsere Lieferanten nachweisen. Für Rückstände wie Pestizide, Schimmelpilzgifte oder Ethylenoxid belegen unsere Rohstofflieferanten mit Analysen und Erklärungen, dass ihr Material die gesetzlichen Anforderungen erfüllt.
  • Was wir von vornherein ausschließen. Unsere Produkte sind ohne künstliche Farb- und Konservierungsstoffe und ohne Magnesiumstearat, und wir füllen nicht in Kunststoffdosen ab.
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Station 1: Acker und Meer

Die meisten Verunreinigungen bringt ein Rohstoff von seinem Standort mit, lange bevor ihn jemand verarbeitet. Pflanzen nehmen mit Wasser und Nährstoffen alles auf, was im Boden gelöst ist, auch Metalle wie Blei, Cadmium oder Quecksilber. Sie stammen aus alten Industrie- und Verkehrsemissionen, aus Klärschlamm, und Cadmium zum Beispiel auch aus mineralischen Phosphatdüngern. Wie viel davon in der Pflanze landet, hängt stark vom Standort ab: vom Boden, von seinem Säuregrad und von der Pflanzenart selbst. Zwei Felder nebeneinander können sehr unterschiedliche Rohstoffe liefern.

Meeresalgen sind ein Sonderfall

Sie filtern große Mengen Meerwasser und reichern dabei Metalle und Arsen an wie kaum ein anderer Rohstoff. Für Nahrungsergänzungsmittel gelten in der EU deshalb feste Höchstgehalte: 3,0 mg/kg für Blei, 0,10 mg/kg für Quecksilber und 1,0 mg/kg für Cadmium. Bei Produkten, die überwiegend aus Algen bestehen, liegt der Cadmium-Wert wegen dieser natürlichen Anreicherung bei 3,0 mg/kg. Bei Produkten mit Algen lassen wir deshalb jede Charge selbst auf Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber prüfen.

Und was ist mit Pestiziden?

Im Bio-Anbau sind chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verboten. Rückstandsfrei ist Bio-Ware trotzdem nicht automatisch, denn Wind trägt Sprühnebel vom Nachbarfeld herüber, und manche Stoffe halten sich jahrzehntelang im Boden. Bio verbietet den Einsatz, nicht die Abdrift. Deshalb verlassen wir uns nicht allein auf das Siegel, sondern lassen uns die Rückstandssituation von unseren Lieferanten belegen.

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Station 2: Ernte, Trocknung, Lager

Zwischen Ernte und fertigem Pulver entscheidet sich, ob ein Rohstoff sauber bleibt. Pflanzen sind von Natur aus mit Mikroorganismen besiedelt, und das ist auch nicht schlimm. Kritisch wird es, wenn Feuchtigkeit und Wärme zusammenkommen: Dann vermehren sich Keime, und Schimmelpilze können Gifte bilden, sogenannte Mykotoxine. Das Tückische daran: Diese Gifte bleiben im Material, auch wenn der Pilz selbst längst abgestorben ist.

Für die Mikrobiologie von Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in der EU übrigens keine verbindlichen Grenzwerte. Unser Labor bewertet die Ergebnisse deshalb nach den Kriterien des Europäischen Arzneibuchs, also nach dem Maßstab, der für pflanzliche Arzneimittel gilt. Geprüft werden unter anderem die Gesamtkeimzahl, Hefen und Schimmelpilze, E. coli und je nach Produkt Salmonellen.

Wie das in der Praxis aussieht?

Bei einer unserer letzten Chargen lag die Gesamtkeimzahl unter 100 koloniebildenden Einheiten pro Gramm. Der Grenzwert liegt bei 20.000. Salmonellen, E. coli und Staphylokokken wurden nicht nachgewiesen.

Station 3: Extrakt

Viele Pflanzenstoffe sind im Rohstoff nur in geringer Menge enthalten. Um sie zu konzentrieren, stellt man Extrakte her. Dafür braucht man ein Lösungsmittel, das die gewünschten Stoffe aus der Pflanze herauslöst.

Die EU erlaubt dafür eine ganze Reihe von Lösungsmitteln. Wasser, Ethanol und Kohlendioxid gelten als unbedenklich. Daneben sind unter bestimmten Bedingungen auch Stoffe wie Methanol, Hexan oder Aceton zugelassen. Sie sind günstig und liefern viel Ausbeute, lassen sich aber nie vollständig entfernen. Ihre Rückstände müssen nicht auf dem Etikett stehen.

Wir setzen ausschließlich Extrakte ein, die mit Wasser, mit Ethanol oder mit einer Kombination aus beiden gewonnen werden. Das lassen wir uns von unseren Lieferanten schriftlich bestätigen.

Und wenn der Extrakt fertig ist, stellt sich die nächste Frage: Steckt auch wirklich so viel Wirkstoff darin, wie auf dem Etikett steht? Bei Naturprodukten ist das keine Selbstverständlichkeit. Der Vitamin-C-Gehalt einer Acerolakirsche, einer der reichsten natürlichen Vitamin-C-Quellen überhaupt, schwankt mit Reife, Sorte und Erntejahr. Der Jodgehalt einer Alge hängt von Standort und Jahreszeit ab. Deshalb bestimmt unser Labor bei jeder Charge den Wirkstoffgehalt neu. Liegt er außerhalb des zulässigen Bereichs, wird die Charge nicht freigegeben.

Station 4: Transport

Wer Rohstoffe aus Übersee bezieht, muss den Weg im Container mitdenken. Im internationalen Handel werden Frachtcontainer häufig begast, um Insekten und Keime abzutöten.

Wie ernst das sein kann, zeigte sich im Herbst 2020. Damals fanden Behörden in Sesam aus Indien Rückstände von Ethylenoxid, einem Gas, das Keime zuverlässig abtötet, aber als krebserregend gilt und in der EU für Lebensmittel verboten ist. Es folgte eine europaweite Rückrufwelle, die bald auch Gewürze, Zusatzstoffe und Nahrungsergänzungsmittel erfasste. Seitdem gilt: Schon Spuren an der Nachweisgrenze führen zum Rückruf.

Für Rohstoffe aus Risikoregionen lassen wir uns deshalb von unseren Lieferanten durch Analysen oder verbindliche Erklärungen belegen, dass keine Behandlung mit Ethylenoxid erfolgt ist.

Wo es möglich ist, umgehen wir lange Transportwege ganz und beziehen Rohstoffe aus Europa: Traubenkernextrakt aus Spanien, Astaxanthin aus Tschechien, Vitamin K2 aus Italien, Algen als Jodquelle aus Großbritannien und Magnesium aus der Meeresalge Aquamin® aus Irland. Solche Rohstoffe kosten oft ein Vielfaches austauschbarer Standardware. Das ist es uns wert.

Europa ist dabei kein Gegenentwurf zum Rest der Welt. Manche Pflanzen wachsen nur in bestimmten Regionen in der Qualität, die wir brauchen, und Länder wie Indien gehören zu den wichtigsten Erzeugern von Bio-Rohstoffen weltweit. Für sie gelten bei uns dieselben Anforderungen.

Station 5: Die Kapsel

Die Kapsel ist die Zutat, über die am wenigsten gesprochen wird, dabei schluckst du sie jeden Tag mit.

Pflanzliche Kapseln bestehen meist aus HPMC (Hydroxypropylmethylcellulose), einem Material, das aus Pflanzenfasern gewonnen wird. Damit die Masse bei der Herstellung gleichmäßig geliert, setzen Hersteller Geliermittel zu, oft Carrageen. Danach werden Kapseln häufig gefärbt, poliert oder bedruckt.

Unsere Hartkapselnhülle besteht aus HPMC. Sie enthält kein Carrageen und kein PEG, ist weder gefärbt noch bedruckt und wird nicht mit Ethylenoxid oder Strahlung behandelt. Bei ihrer Herstellung wird eine geringe Menge Gellan als Verarbeitungshilfsstoff eingesetzt.

Bei der vageren Weichkapsel für Algenöl muss Carrageen verwendet werden, da alle alternativen Geliermittel zu Leckagen geführt haben, die Kapseln wurden also undicht.

Abgefüllt wird in Deutschland in einer Produktion, die nach GMP arbeitet und IFS-zertifiziert ist.Gründliche Reinigung zwischen den Chargen und ein dokumentiertes Hygienekonzept sorgen dafür, dass nichts von einem Produkt ins nächste gelangt.

Station 6: Das Glas

Verpackungen sind nicht so neutral, wie sie aussehen. Fachleute sprechen von Migration, wenn Stoffe aus einer Verpackung in den Inhalt übergehen. Bei Kunststoffen können das Weichmacher und andere Bestandteile sein, bei Recyclingkarton Mineralölreste aus Druckfarben.

Wir füllen unsere Kapseln deshalb in lichtgeschütztes Apothekerglas. Glas gibt praktisch keine Stoffe an den Inhalt ab und hält zugleich Stoffe von außen zurück. Der Lichtschutz ist wichtig, weil empfindliche Wirkstoffe wie Vitamine durch Licht abgebaut werden können.

Die Schwachstelle jeder Glasdose ist ihr Deckel. In unserem Aluminiumdeckel sitzt eine Dichtung aus Polyethylen-Schaum, und Polyethylen kommt ohne Weichmacher aus. Watte oder Trockenmittel enthält die Dose nicht.

Station 7: Das Labor und du

Den vollständigen Prüfbericht jeder Charge, mit allen Messwerten, findest du in der Bildergalerie der jeweiligen Produktseite auf purabyo.de.

Was kein Labor garantieren kann

Zum Schluss etwas, das in Qualitätsversprechen selten steht: Kein Hersteller kann ein Naturprodukt völlig frei von Fremdstoffen garantieren.

Ein Labor findet nur, was oberhalb seiner Nachweisgrenze liegt. Moderne Analytik ist dabei unglaublich empfindlich. Sie misst teilweise im Bereich von Milliardstel, also ppb (parts per billion). Ein ppb entspricht ungefähr einer Sekunde in 32 Jahren. „Nicht nachweisbar“ heißt deshalb: unter dieser Grenze, nicht null.

Schwermetalle zum Beispiel kommen in jedem Boden vor, auch in völlig unbelastetem. Ein Rohstoff enthält sie in Spuren, genau wie Gemüse aus dem eigenen Garten. Entscheidend ist nicht, ob etwas messbar ist, sondern wie viel.

Wer dir „absolut schadstofffrei“ verspricht, verschweigt, wie Messungen funktionieren. Wir sagen dir lieber genau, was wir prüfen, wie oft und wo du die Ergebnisse findest.

Fragen zu einer bestimmten Charge oder einem Rohstoff beantworten wir gern unter hello@purabyo.de.

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